Teresa-Kalender

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Mi 22. Juni 2022

Ich meine, dass es mehr Mut braucht, wenn einer nicht schon vollkommen ist, um den Weg der Vollkommenheit zu gehen, als um schlagartig zum Märtyrer zu werden.

Ich sehe in der Welt, da bin ich mir sicher, nichts, was mir gut vorkommt, außer dass sie den Guten keine Fehler zugesteht, die sie kraft ihrer Schwatzereien nicht vollkommener machen würde. Ich meine, dass es mehr Mut braucht, wenn einer nicht schon vollkommen ist, um den Weg der Vollkommenheit zu gehen, als um schlagartig zum Märtyrer zu werden. Die Vollkommenheit erreicht man nämlich nicht in kurzer Zeit, es sei denn, der Herr will jemandem diese Gnade als ein ganz besonderes Privileg erweisen. Aber die Welt möchte ihn schon vollkommen sehen, sobald sie ihn beginnen sieht, und bemerkt bei ihm schon auf tausend Meilen einen Fehler, der bei ihm womöglich Tugend ist; doch wer ihn verurteilt, sitzt dabei gerade dieser Fehlhaltung auf und beurteilt es entsprechend im anderen. Er darf nicht einmal essen oder schlafen, ja nicht einmal verschnaufen, wie man so sagt; und je mehr sie von einem halten, umso mehr müssen sie vergessen, dass sie noch in diesem Leib weilen, mögen sie eine noch so vollkommene Seele haben. Sie leben ja noch auf Erden, deren Erbärmlichkeiten ausgesetzt, auch wenn sie die Erde noch so sehr unter den Füßen haben. Daher bedarf es, wie ich gerade sage, großen Mutes, denn die arme Seele hat ja noch nicht einmal angefangen zu laufen, und dann wollen sie schon, dass sie fliegt. Sie hat ihre Leidenschaften noch nicht besiegt, und sie möchten, dass sie in großen Anfechtungen so unangefochten seien, wie sie lesen, dass es die Heiligen waren, nachdem sie schon in der Gnade gefestigt waren.

Das Buch meines Lebens 31, 17




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